Literatur als Grundlage von Wissen und Fortschritt

Das Vermitteln von bestehendem Wissen ohne schriftliche Dokumente ist allenfalls in der handwerklichen Tradition denkbar. Naturwissenschaftlich-technische Wissensgebiete sind nur schon zum Fortbestehen des erreichten Standes auf Schriftlichkeit angewiesen, gar nicht zu reden von Fortschritten. Was an gedanklich Erarbeitetem nicht aufgeschrieben wurde, ist niemandem zugänglich und bald vergessen.


Nicht nur die naturwissenschaftlichen, technischen und medizinisch-biologischen Lehrgebäude sind ohne Literatur undenkbar, ebenso sehr darauf angewiesen ist unsere Rechts- und Gesellschaftsordnung. Überall und immer wieder stellt sich die Frage, wie eine Feststellung zustande gekommen ist oder auf welchem Sachverhalt ein logischer Schluss beruht. So sehr eigenes scharfes Nachdenken wichtig ist, so unerlässlich ist das Studium der Literatur. Wissenschaftliche Literatur ist nichts anderes als die Gesamtheit der Dokumente von Werdegängen.

Firmen-Kataloge

Fachliteratur Firmenkataloge 01Kataloge sollen auf beschränktem Raum einen Überblick über ein bestimmtes Warenangebot geben und dabei seine wesentlichsten Eigenschaften hervorheben. Oft sind Kataloge kleine Kunstwerke, deren Informationsdichte Staunen erweckt.

Kataloge sind Zeitbilder. Das Instrumentarium der zweiten Hälfte des 19. Jh. kannte Typen, die heute ebenso vergessen sind wie die dazu gehörende Terminologie. Um sich darin zurecht zu finden eignen sich vor allem zeitgenössische Kataloge. Sie liefern zwar keine Definitionen, doch die Beschreibungen und Abbildungen erlauben eine zutreffende Identifikation, wobei allerdings zu beachten ist, dass ein Instrument oft nach den Wünschen des Bestellers abgeändert wurde.

Zudem ist nicht zu vergessen, dass die Hersteller kaum Vermessungsfachleute waren und deshalb Fachausdrücke mit gewissen Unschärfen gebraucht wurden. Ausserdem wäre zu bedenken, dass damals auch in der Fachwelt viele Begriffe implizit durch den Sprachgebrauch definiert wurden. Genaue Definitionen waren Ausnahmen.

Man versuche beispielsweise in der Literatur des 19. Jh. eine Definition des damals gängigen Begriffs "Stadia" in der heute üblichen Schärfe aufzuspüren.

Digitalisierte Kataloge können nach Typenbezeichnungen oder nach Erfindern und Konstrukteuren, deren Name einem Instrumententyp zugeordnet wurde, durchsucht werden.

Beispiele:

  • für Typen: Graphometer, Astrolabium, Mensul, Pantometer etc.,
  • für Konstrukteure und Erfinder: Lenoir, Stampfer (Nivelliere), Sanguet (Distanzmesser) etc.

 

Preis-Courant der mathematischen, geodätischen und astronomischen Instrumente von J. Kern. Aarau. Schweiz. 1878

Auf 18 Seiten Text und 13 Seiten Bildern (im damaligen Sprachgebrauch Tafeln; 11 davon einseitig, 1 doppelseitig) enthält der Katalog, gemessen an Katalogen des späten 20. Jh., eine Fülle von Informationen, die sich erst bei eingehenderem Studium erschliesst. Der Satzspiegel ist in drei Kolonnen aufgeteilt, links stehen Hinweise auf eventuelle Abbildungen, in der Mitte der Text, rechts die Preise. In der Kolonne links aussen stehen in römischer Schrift die Nummern der Tafeln, daneben die Instrumenten-Nummern.

Steht rechts von der römischen Zahl eine Instrumenten-Nummer, so ist das in fetter Schrift auf gleicher Höhe im Text angegebene Instrument abgebildet; steht neben der fett geschriebenen Bezeichnung keine Nummer, so ist das Instrument nicht abgebildet.

Masseinheiten

Der erste Abschnitt auf dem Titelblatt vermerkt, dass die instrumententechnisch gebräuchlichen Masse entweder in Pariser Mass oder in Meter gegeben seien.

1 Fuss Pariser Mass (pied de Paris) = 0.32484 m

Mit zwölfteilig ist das Verhältnis der jeweils grösseren Einheit zur nächst kleineren gemeint. Das für Längeneinheiten vor der Einführung des Meter gebräuchliche System des Fuss ist wie folgt gegliedert:

  • 1 ’ (Fuss, frz. pied) = 12 ‘’ (Zoll, frz. pouce) 1 ’’ (Paris) = 27.07 mm
  • 1 ‘’ (Zoll, frz. pouce) = 12 ’’’ (Linie, frz. ligne) 1 ’’’ = 2.26 mm
  • 1 ’’’ (Linie, frz. ligne) = 12 ’’’’ (Strich, frz. point) 1 ’’’’ = 0.19 mm

Die Unterteilung in Zwölftel wird als duodezimal bezeichnet. Alle Systeme von Längeneinheiten, denen der Fuss zu Grunde lag, waren duodezimal unterteilt, sie unterschieden sich jedoch in der Länge des Fusses.

Bestrebungen zur Vereinheitlichung

Die von der Alten Eidgenossenschaft geerbte Vielzahl von oft nur lokal geltenden Längenmassen wuchs sich im 19 Jh. zu einem heillosen Hindernis für Handel und Industrie aus. Um die Verhältnisse zu vereinfachen schlossen sich 1835 die Kantone ZH, BE, LU, ZG, FR, SO, BS, BL, SH, SG, AG, TG in einem Konkordat zusammen, dem 1836 auch GL beitrat. Sie führten auf den 1.1.1838 - anstatt des längst bekannten Meters - einen dezimal unterteilten Schweizer Fuss ein. Seine Länge von 0.30000 m war ein typisch schweizerischer Kompromiss zwischen einer alten, an das Fussmass anklingenden Hülle und einem neuen, einen Zusammenhang mit dem metrischen System suggerierenden Inhalt. TI und die Westschweizer Kantone GE, VD, VS hatten damals den Meter als Längeneinheit schon eingeführt, was gesamtschweizerisch erst auf den 1.1.1877 gelang.

Im Preis-Courant 1878 von J. Kern werden Längenmasse wie Messketten, Messbänder, Messlatten in Schweizer Fuss und in Meter angeboten, Nivellier- und Distanzlatten (wegen der Fadendistanzmessung) hingegen nur metrisch.

Fernrohre

Darüber orientiert eine Tabelle auf dem Titelblatt. Die Fernrohrlängen sind in Zoll ( ’’ ) und die Objektivdurchmesser in Linien ( ’’’ ) angegeben. Terrestrische Okulare sind jeweils Fr.10.- teurer. Bemerkensweise waren damals alle Fernrohre mit aufrechten Bildern erhältlich, die sich erst nach 1970 erneut - diesmal endgültig - durchgesetzt haben.

Orthographie

Sie war in jenen Zeiten offenbar ähnlich dornenvoll wie in der Gegenwart, nicht weil sie anders ist als heute, sondern weil sie im gleichen Text verschieden gehandhabt wird: speciell neben speziell, ebenso gibt und giebt.

Download Preis-Courant 1878 von J. Kern (PDF)

Berichte und Fachartikel

Vortrag: „Einsatz der terrestrischen Photogrammetrie bei swisstopo“

Der bemerkenswerte Vortrag von Martin Rickenbacher wurde im Rahmen des swisstopo-Kolloquiums vom 28.2.2014 zur Geschichte der Photogrammetrie in der Schweiz gehalten.

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Kern & Co AG Aarau, Werke für Feinmechanik, Optik und Elektronik

Fachblatt der Schweizerischen Gesellschaft für Technikgeschichte und Industriekultur IN.KU 46, September 2005, H. Aeschlimann

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Le premier tunnel du Gothard (1880)

Le premier tunnel du Gothard illustre comment, depuis longtemps, les géomètres guident ceux qui percent le sous-sol. Hubert Dupraz

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Die archäologisch-topographische Kartierung mit Bussolentachymetrie - eine Methode der archäologischen Detailprospektion und Vermessung

R. Glutz, dipl.-Ing. ETH, vormals Topograph am Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich

Die schweizerische Version der Bussolentachymetrie wird hier in ihrem archäologischen und technischen Umfeld dargestellt und bis ins letzte Detail beschrieben: Von der Fixpunktbeschaffung über Erfahrungen beim Messen bis zum benötigten Material.

Dabei geht es immer darum, auf Kosten der Genauigkeit, aber auch in einem ausgewogenen Verhältnis aller Arbeitsschritte, möglichst rationell und rasch zu arbeiten.

Spezialfälle, Einsatz von Handgeräten und Alpintechnik kommen ebenso zur Sprache wie Varianten und andere Einsatzmöglichkeiten. Besonderes Gewicht wird auf die Feststellung gelegt, dass normalerweise die besten und auch kostengünstigsten Ergebnisse erzielt werden, wenn der Topograph - entgegen der üblichen Vermutung - allein arbeitet.

Erklärung der Fachausdrücke, Formulare, Programme für Taschenrechner, Signaturen usw. ergänzen den Text. Zahlreiche Planbeispiele von eigener und fremder Hand illustrieren die Aussagen.

Der Bericht liegt als Einzelexemplar der GGGS vor.

Summary der Diplomarbeit von Janine Peterhans, ETHZ, über den Struve Geodetic Arc

Anlässlich des International Forum for the Struve Geodetic Arc, aus http://www.123people.ch

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Webseite Struve Geodetic Arc

http://struvearc.wikidot.com

Herkunft und Schreibweise des Wortes "Theodolit"

Download PDF, aus ZFV 1885, 12. Heft

Historische Darstellungen

Unter dieser Rubrik werden Beschreibungen von Instrumenten, von Vermessungstätigkeiten und deren Ergebnisse präsentiert.

Des Umfangs wegen werden nicht alle Beschreibungen im vollen Wortlaut abgedruckt. Die Dokumente sind jedoch über die Gesellschaft verfügbar und können je nach Umfang gegen eine Aufwandsentschädigung bezogen werden.

Xaver Imfeld (1853 –1909) − Meister der Alpentopografie

  • 192 Seiten, 4-farbig, Fadenheftung, Auflage: 2000 Ex.
  • Preis: CHF 78.00, ISBN-13: 978-3-9522809-4-2
  • Herausgeber: IG Xaver Imfeld

www.xaverimfeld.ch

Inhalt:

  1. Biografie (Niklaus von Flüe)
  2. Kartenwerk (Madlena Cavelti Hammer)
  3. Gebirgsreliefs (Madlena Cavelti Hammer)
  4. Alpenpanoramen (Thomas Germann)
  5. Ingenieurprojekte (Paul Caminada)
  6. Werkverzeichnis (Thomas Germann)

Bezug: Historisches Museum Obwalden, Sarnen oder Verlag: www.vonahdruck.ch, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Beschreibung des Compensations-Theodolits von Breithaupt, 1827

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  • "Vorerinnerung" (= Einführung)

Beschreibung des Reichenbach'schen Wiederholungs-Kreises, neu construiert von F.W. Breithaupt und des Heliotropen von Hofrat und Professor Ritter Gaus, 1835

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  • Inhaltsverzeichnis

Vermessung in Literatur und Kunst

Der Landmesser in der Schweizer Literatur

In: David Gugerli (Hg.): Vermessene Landschaften. Kulturgeschichte und technische Praxis im 19. und 20. Jahrhundert – Studien zur Kulturgeschichte der Technik Band 1, Chronos, Zürich 1999.

 

Vermessen der Landschaft in der Schweizer Literatur des 20. Jahrhunderts

In: Compar(a)ison 2/1999, Bern 1999.

 

Vermessen und Landmesser in Literatur und bildender Kunst

In: Zur Geschichte des Vermessungswesens. VDV-Schriftenreihe Band 8, Wiesbaden 1995.

 

Geschichte des Kultur- und Vermessungsingenieurs illustriert mit Text- und Bildbeispielen aus der Kunst

In: “Vermessung, Photogrammetrie, Kulturtechnik” 6/1989.

 

Das Land vermessen – Ingenieur und Öffentlichkeit

Verlag der Fachvereine, Zürich 1988.

 

Das Land vermessen - Der Kulturingenieur/Geometer im Spiegel der Kunst I

In: “Schweizer Ingenieur und Architekt” 20/19887

 

Das Land vermessen - Der Kulturingenieur/Geometer im Spiegel der Kunst II

In: “Schweizer Ingenieur und Architekt” 27‑28/1988.

 

Hinweis:

Sämtliche Ausgaben der Zeitschriften

wurden digitalisiert und stehen im Internet unter http://retro.seals.ch zur Verfügung.